Mittwoch, 24. April 2013

Bullshit Babyboom


Ich habe mich mal wieder unbeliebt gemacht und durfte kurz darauf einen Menschen aus meinem Leben streichen. Das passiert manchmal, wenn ich meine Klappe nicht halten und mein Gegenüber die Wahrheit nicht verkraften kann. Die Wahrheit bedeutet in diesem Falle meine absolut unanfechtbare und in aller Härte verteidigte Meinung. Das ich recht habe seht ihr gleich, vorher aber kurz zur Situation:

Ich war mittelprächtig angezeckt. Für alle, die nicht wissen, was das bedeutet:
"Sie die guten Seiten: Montag kommt nur ein Mal in der Woche"
Es war Montag – eigentlich sagt das allein schon alles. Nach einem tollen Wochenende in meiner Heimat, ärgerte ich mich darüber, dass es in der neuen Bude noch immer kein Internet gibt, und nach einer Woche Mittelohrenzündung hatte sich auch ein bisschen was auf meinem Schreibtisch angesammelt. Zu allem Überfluss war es draußen grau und grummelig – die perfekte Ausgangsposition für den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Kurz bei Facebook reingucken. Ich erwartete eine wichtige Nachricht mit Infos für einen Arbeitskollegen und erlaubte mir den kurzen Blick. Keine Nachricht da, aber ich sehe es ja, wenn die Info kommt. Von wegen....
Keine drei Minuten vergingen und das erste Chatfenster ploppte auf. Wer mich kennt weiß, dass ich mir zur Begrüßung gerne witzige, ausfallende oder auch gerne mal geschmacklose Sprüche einfallen lasse, dementsprechend hat man bei mir auch sofort verloren, wenn statt eines Hallo oder Moin nur ein nichtssagendes '…' kommt.
Ihr seht richtig. Da stehen nur Punkte.
'…' ist – so glaube ich – des Dummen Werkzeug, um seinen Gesprächspartner zur Telepathie zu überreden. Es ist des Zurückgebliebenen Aufschrei nach Aufmerksamkeit und es gibt nur eine angebrachte Antwort auf dieses '…' - nämlich 'sprich, oder verpiss dich'.

Zu hart? Okay, dann lies lieber nicht weiter

Der Start des Gesprächs hätte also nicht schlechter ausfallen können. Er kam dann schließlich aber doch noch zum Punkt, sprach von der Freundin, mit der gerade Schluss sei. Mein Interesse sank ins Bodenlose. Schwanger sei sie, meinte er, und mein nicht vorhandenes Interesse wich einer Mischung aus Verzweiflung, Ekel, Unverständlichkeit und dem eindeutigen Beweis, dass es keinen Gott geben kann. Schließlich hat er schon ein Kind mit einer anderen Frau. Einen Job hat er allerdings nicht.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich damit abgefunden, dass das Böse eben doch siegt und wir alle unter schrecklichen Qualen während der Zombie-Apokalypse sterben werden, als er etwas sagte, das meinen Glauben Jeanne d'Arc-mäßig erhellte: Besagte Ex sei nun aber gestürzt und hätte das Kind verloren. Sie hatte sich selbst aus dem Krankenhaus entlassen.

Bild und Infos auf: bleib-gesund-service.de
Wow, dachte ich mir, und weil ich ja gerne sage was ich denke, teilte ich meine Freude gleich mit ihm: „Sei doch froh, dass sie es verloren hat“ - Unverständnis - „Na wenn ihr eh Schluss gemacht habt? Alimente zahlen ist scheiße und in einer getrennten Beziehung aufwachsen, ist für Kinder total ätzend. Unverantwortlich und scheiße finde ich das.“
Damit hätte ich die Klappe halten können. Habe ich aber nicht, ich kam sogar erst richtig in Fahrt. Ich schlug ihm um die Ohren, wie ätzend ich es finde, dass Kinder meinen, sie könnten ständig weitere Kinder in die Welt setzten; dass wir doch im 21. Jahrhundert leben und jeder mitteleuropäische Vollpfosten weiß, wie man Pille und Kondome benutzt; dass es mich ankotzt, wie HartzIV-Spinner überall ihren Lörres reinstecken müssen und glauben, ihn vorher rauszuziehen würde reichen. Und die Plattenbau-Schlampen, die die Beine breit machen, glauben das auch noch! - Nach einer Rüge meiner Mutter möchte ich hinzufügen, dass Einkommen und Wohnort natürlich nichts über Intelligenz aussagen (sollten).

Keine Ahnung was genau, doch irgendwas von dem was ich sagte hat ihn gekränkt. Er meinte dann Dinge wie „Schreib mich nie wieder an“ oder „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten“ und mein absoluter Favorit: „Unfruchtbar oder was? Du Schlampe springst doch mit jedem in die Kiste“. Diskutieren mit dummen Menschen ist ein Fass ohne Boden, deshalb wusste ich an dieser Stelle, dass die Bekanntschaft hier ihr Ende finden würde. Göttin sei Dank!

Wie wir ja alle wissen, ist es stets der Ton, der die Musik macht. Und natürlich hätte ich diplomatischer und einfühlsamer sein können. Hätte ich....
Rausgehen zum Rauchen - mach ich doch gern.

Ich sehe überall in meinem Bekannten- und Freundeskreis, dass schwanger werden und Kinder kriegen, viel Arbeit und Verantwortung mit sich bringt. Meine Güte, dafür braucht man sich nicht mal umgucken, so etwas weiß man doch?! Ich sehe werdende Eltern, die wirklich auf alles vorbereitet sind und trotzdem kämpfen müssen. Ich sehe tolle Menschen, die keine Kinder kriegen können, während asoziale Randgruppen sich vermehren wie die Ratten. Ich liebe Kinder, auch wenn ich selber keine möchte, und ich gehe auch gerne raus zum Rauchen, wenn ich schwangeren Besuch habe - alles keine Frage. 
Aber wenn ich noch eine Verherrlichung von Teeniemüttern sehe oder mir noch einmal dieses Ich-bin-schneller-Märchen anhören muss, raste ich aus!

Und ich sage es hier für alle dummen Menschen da draußen nochmal ganz klar, ohne Beschönigung und so, dass ihr es auch wirklich alle versteht:

Euren Schwanz vorm Abspritzen rauszuziehen, schützt euch nicht vor Schwangerschaft! Kapiert? Nein! Auch nicht, wenn ihr superschnell seid! Niemals nicht! Schreibt's euch auf die Vorhaut!

Donnerstag, 28. März 2013

Taste The Place

Verfasst am 17. März 2013

Es ist wahrscheinlich nicht einfach zu glauben, wenn man es nicht erlebt. Viele werden sagen, ich spiele die Situation runter um mein Leid zu vertuschen. Andere werden mich feiern, für das Märtyrium, das ich durchlebe. Weitere werden sagen, ich würde schlichtweg lügen:

Da ist ein Leben außerhalb des World Wide Web!
Feel free, don't be connected ;)

Und es ist erträglich. Nein, das ist Bullshit. Es ist sogar toll! Genauso toll wie mit, vielleicht sogar noch viel besser. Das muss man wohl für sich selbst entscheiden. Ich weiß es auf jeden Fall zu schätzen.

Drei Wochen lebe ich jetzt in der neuen Bude und bin medial noch immer vom Rest der Welt, was so viel bedeutet wie von Euch, abgeschnitten. Und da ich schreiben kann wann immer ich will, muss ich gestehen Euch gar nicht so sehr zu vermissen.. 'tschuldigung.
Ohne Facebook, Twitter und Co erinnert man sich schnell daran, - wenn man das Glück hatte vor... sagen wir... 2000 geboren zu sein – dass man gar nicht alle zwei Minuten wissen muss, was Freunde und Familie gerade essen, spielen, hören, witzig oder berührend finden, wo sie sind oder wer gerade bei ihnen ist.
Es ist unglaublich, wie schnell man genießen lernen kann, nicht immer und überall greifbar zu sein. Ihr macht euch kein Bild davon, wie inspirierend das sein kann!

Leider ganz schlechte Qualität: Eines meiner Besten
Nun, vielleicht klingt das ein bisschen überheblich, wenn man nicht weiß, wie ich das meine. Und ich weiß es auch nur, weil ich es schon einmal konnte.... einmal können musste.
Als ich mit meiner Mutter aus unserem Familienhaus auszog, erlebten wir unsere gemeinsam schönste Zeit überhaupt. Für mich war es die eine Zeit, und es wird immer die sein, an die ich mich mein Leben lang am liebsten erinnern werde.
Ein absolut entscheidender Faktor war damals, dass wir in ein altes Abrisshaus zogen, unter dem eine Fünfhundert-Kilo-Bombe aus dem zweiten Weltkrieg lag.*¹
Es sollte Parkplätzen weichen, doch da jede Art von Bürokratie ewig zu dauern scheint, zogen wir ganz legal in die einzig bewohnbare Wohnung in diesem Abrissaus. 

Altbau. Erstes Obergeschoss links. Zwei Zimmer, Küche, Duschbad, Balkon. Ich bekam das gute Zimmer. Das mit den Zwillingsfenstern und den Rubinien vorm Fenster. Ich strich es Blutrot, malte einen toten Baum an die Wand und kritzelte Songtexte mal hier und mal da hin. Es gab Strom und Wasser. Ein Luxus, den wir zu schätzen wussten.
Damals wussten wir so ziemlich alles zu schätzen. Wir hatten nichts, außer uns selbst und einander. Kein Internet, kein Fernsehen, keine Computer.
Klingt langweilig? Keine Spur!
Während der beiden Sommer, die auch noch superheiß waren, waren wir das Highlight der Nachbarschaft, weil wir fast immer sangen und man uns durch die offenen Fenster und Balkontüren weit hinaus hören konnte. Meine besten künstlerischen Werke, egal ob auf Papier, als Modell oder aus Stein, stammen aus dieser Zeit. Meine intensivsten zwischenmenschlichen Erlebnisse ebenfalls. Für die Freunde, die mich durch diese Zeit begleitet haben, würde und werde ich den Rest meines Lebens bis ans Ende der Welt gehen. Ich fand meine große Liebe und den Weg zum Journalismus und nach Großbritannien....

Das ganze ist fast zehn Jahre her.... Und jetzt sitze ich hier, wieder ohne Internet oder Telefon. Die Cassady den San Fransico Bay Blues. 
My favourite :D
Glotze läuft selten. Stattdessen singt Eva
Ich habe allein schon in den vergangenen drei Wochen so viele tolle Menschen kennen gelernt, neue Möglichkeiten eröffnen sich und die Krönung von allem ist die Wohnung! Ich weiß, total oldschool, aber ich muss es sagen: Alter Schwede! Meine Mum und ihr Müller waren zwei Wochenenden hier, trotz erheblicher Strapazen - an dieser Stelle nochmal gute Besserung! - und haben mit mir eine Wohlfühl-Oase erschaffen! Und wenn dieser verdammt schöne Schnee endlich schmilzt und der Frühling anbricht, – was er kalendarisch in drei Tagen tut – werde ich mich in meinen Garten stürzen und meine Terrasse auf Fordermann bringen. Der Strand ist nicht weit und ich freue mich auf einen tollen Sommer*²!

Nun, das war ein wie immer etwas ausschweifender Einblick in meine derzeitige Situation. Eva trällert mittlerweile mein Lieblingslied, Autumn Leaves, das viel besser klingt, wenn meine Mum und ich es bei 36 ° Grad im Schatten singen und dabei Weinschorle in Wickelröcken schlürfen...
Genau das werde ich jetzt auch tun, nachdem ich den Text gespeichert und den Rechner runtergefahren habe. Für den Wickelrock ist es zwar zu kalt, aber ein flauschiger Bademantel und ein gutes Buch sind genauso angenehm.

Das Buch ist übrigens von einer lieben Kollegin und wenn ich es zeitlich schaffe, erzähle ich euch beim nächsten Mal davon. Bis dahin... schaltet doch vielleicht einfach mal das Smartphone aus und kostet ein bisschen mehr Platz im Kopf. Da ist ein Leben außerhalb des World Wide Web. Und es hat so viel mehr zu bieten, als nur die ultimative Grafik.

xx

 
*²: Kommentare über einen wahrscheinlich schlechten Sommer will ich nicht lesen!

Mittwoch, 20. Februar 2013

Keine Zeit Für Leidenschaft

Jaaaaah, ich weiß es doch Leute! Gab lange nichts zu lesen für euch, und das tut mir Leid.
Uhm, naja okay, eigentlich tut es mir nicht Leid, denn bei Roxx steppt gerade der Bär im Nachthemd.

Mein Umzug steht vor der Tür und im Vorfeld gab es dafür eine Menge zu regeln. Ihr erinnert euch? Die Trennung von meinem Mushu, die viel zu große und zu teure Wohnung, - all das lasse ich ja gerade hinter mir. Allein schon die Banken!

Wenn's um Geld geht... sind sie alle Aasfresser ;)
Schonmal einen Kredit aufgenommen? Nein? Nun, schlau wie man ist denkt man ja "Vergleiche! Nimm das beste Angebot. Lass dich nicht verarschen und vor allem: Lass dir nicht andrehen, was du nicht haben willst"
Ha... jah, dachte ich auch. Vergleich mal die Vielzahl an Banken und ihre Top-Angebote mit bodenlosen Zinsen. Danach schwirrt dir der Kopf von Prozentrechnungen und Worten wie "Risikoversicherung", alle wollen sie deine vermögenswirksamen Leistungen um sie irgendwo zu sparen und dir am besten gleich das Haus mit dazu zu verkaufen. Du willst kein Haus? Glaub mir, nachdem du bei sieben Kundenberatern warst, die dir Immobilien als Altersvorsorge schmackhaft gemacht haben, willst du eins. Sogar ich.

Glöckchen ist entsetzt: Wie viele Bäume starben für meinen Kredit?
Okay nein, ich will kein Haus. Aber wenn ich in etwas investiere, dann auf jeden Fall in Immobilien, denn die sind ja angeblich die beste Altersvorsorge - und auf eine Rente verlasse ich mich sowieso nicht. Bei solchen Aussagen spürt man doch regelrecht, wie der Stock im Arsch sich erhärtet, nicht wahr? Ja, vielleicht. Richtig war es trotzdem und jetzt stehe ich in den Startlöchern für meinen Neuanfang: Mit Kredit, Bausparvertrag, Risikoversicherungen und Extra-Sparkonten. Meine Bank hat mich elegant auseinander genommen, wie eine Seezunge. Bereuen tue ich es aber nicht, schließlich macht all das erst meinen Neustart erst möglich. Ohne die Unterstützung meiner lieben Frau Mama hätte ich das niemals hinbekommen. Wer leiht sich schon gerne Geld?
Und jetzt, wo ich dachte, ich hätte den ganzen Zahlenwust überlebt, steht die Steuererklärung ins Haus.... na toll.

Meins, meins, meeeeeeeins! :D
Und jetzt geht's bald los! Tatsächlich kann ich zu meiner neuen Wohnung fast rüberspucken. Trotzdem muss ein Van oder etwas ähnliches organisiert werden - am liebsten natürlich für einen Kasten Bier - und die Jungs, die mir beim Kartons schleppen helfen, müssen ja auch eingesammelt und bei der Stange gehalten werden - auch am liebsten mit einem Kasten Bier... Von Freunden und Arbeitskollegen bekomme ich ganz vieles für den Haushalt, das mir fehlt - ganz ohne Kasten Bier - und mit meinem Vormieter musste ich verhandeln, denn er lässt mir seine Waschmaschine da - leider nicht für einen Kasten Bier...

Ihr seht: Ich habe alle Hände voll zu tun und da kommt das Bloggen natürlich zu kurz. Dafür verspreche ich hiermit feierlich, jede Menge Fotos zu machen, von meinem neuen Reich. Vielleicht kann ich auch noch den einen oder anderen Tipp beim Streichen geben oderauf eine andere Art und Weise klugscheißern, wie ihr, meine geliebten Leser, es nicht anders kennt.
Bis dahin verabschiede ich mich, denn die Kartons packen sich ja nicht von alleine. Aprospros, wenn ihr noch Kartons übrig habt, ich nehme sie gerne - gibt auch ein Bier ;)