Freitag, 15. Juni 2012

Und Alles Wird 19...

Schonmal Stephen King gelesen? Ich glaube, so gut wie jeder Bücherwurm hat mal so 'ne King-Phase. Die einen kommen drüber weg, die anderen nicht.

Mein Mann fand den Dunklen Turm lange vor mir.









Doch selbst die, die schon viel King gelesen haben, wissen oft nicht, dass der gute Mann mit 19 den Einfall hatte Tollkien nach zu eifern und einen Epos zu erschaffen, gegen den Bilbo Beutlin aussieht wie der gewöhnliche Rentner aus dem Wohnheim neben an. Meine bessere Hälfte tauchte eines Tages mit diesem Epos bei mir auf: Sieben Bände lang, geschrieben in einem Zeitraum von über 30 Jahren.


Jedenfalls hatte er die Bände bereits längst durch und dennoch dauerte es fast ein weiteres Jahr, bis ich aus langeweile angefangen bin "Der Dunkle Turm Band 1: Schwarz" zu lesen. Mein Mann bereute es ein wenig, denn von da an bekam er reichlich wenig Aufmerksamkeit... er beschwerte sich diesbezüglich tatsächlich sogar auf der Facebook-Pinnwand von King...

Ich schlug also die ersten Seiten auf und begann Roland dem Revolvermann durch eine westerngleiche Endzeit-Wüste auf der Fährte des Mannes in Schwarz zu folgen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich von Balken, Zügen und Dunklen Türmen noch keine Ahnung, hatte es sogar schwer mir vorzustellen, in was für einer Welt ich mich dort befand. Letztendlich war es auch wohl die Neugier, die mich dazu brachte weiter zu lesen.

Und wie es in solchen Geschichten nunmal so ist, leben sie nicht davon, das der Protagonist seine Suche alleine antritt. Jake Chambers wurde sofort mein kleiner Bruder. Von dem Moment an, als er 1977 in New York starb, - ein Perverser schubbste ihn auf die Straße und der 12-Jährige wurde von  einem blauen Caddy überfahren -  und gleich darauf in Zeit X in Mitwelt bei Roland wieder auftauchte. Roland war genauso konfus wie ich, als Jake ihm von seinem Tod erzählte. Und wir vermissten ihn gemeinsam, als er wieder verschwand.

Ich zitterte vor Spannung, als Roland eine Tür am Strand betrat und sich im Körper des drogensüchtigen Eddy wiederfand, der in den wilden 70ern gerade dabei ist, Heroin per Flugzeug zu schmuggeln. Eddie Dean ist zwar ein Gefangener seiner Selbst, doch der Revolvermann in ihm ist unglaublich stark und so wird auch er ein Begleiter von Roland auf der Suche nach dem Turm.

Nicht ganz so spannend, dafür umso verwirrender, ist die Geschichte von Odetta Holmes, die als eine der wenigen wohlhabenden schwarzen Frauen in den 50er Jahren, ebenfalls in New York, ganz klar einen an der Latte hat. Gespaltene Persönlichkeiten können wirklich anstrengend sein...

Das ka-tet der 19. Quelle: twinners.org
Roland, Jake, Eddie und Odetta waren sieben Bände lang mehr als eine Familie für mich. Wir waren ka-tet und der Untergang der Welt - nicht nur unserer Welt, sondern aller Welten - hing ab von unserem Kampf zum Erhalt der Balken und der Rose. Dafür flitzten (reisten) wir durch Zeiten,... rätselten mit bösartigen Zügen um die Wette (When is a door no door?),... wir begegneten Callahan aus Kings Roman "Brennen muss Salem" und er war uns ein treuer Gefährte,... wir retteten 1999 Stephen King selbst vor seinem sicheren Tod.... wir stellten uns den Revolverduellen, warfen Orizas, wichen Schnatzen (Modell Harry Potter) aus um nicht zu explodieren und verliebten uns in den Billy Bumbler Oy... und um uns herum starben die Menschen... Wir begegneten dem Zauberer von Oz, den Mutanten, Robotern und Buchhändlern... und alles war 19... Ich habe mit ihnen gelacht, fürchterlich geweint und getrauert ...
Und ich wollte den Dunklen Turm und das Geheimnis hinter unser aller Existenz genauso wie Roland Dechain himself!

Nun, es ist nicht einfach für etwas zu begeistern, von dem man nicht zu viel verraten sollte...

Es ist ungefähr acht Monate her, dass ich die letzte Seite aus dem siebten Band gelesen habe. Trotzdem lässt sie mich nicht los, die Reise zum Dunklen Turm. Weil sie nicht vorbei ist. Sie wird nie vorbei sein. Für keinen von uns.
 
Und genau deshalb hat dieser Epos das perfekte Ende, von dem ich zuvor schon sprach.

Stephen King ist hier mehr als ein Meisterwerk gelungen.

Ich werde noch vieles lesen, da bin ich mir sicher. Und vieles davon wird wieder einmal das eine beste Buch sein.

Doch die eine Reise habe ich jetzt gemacht und das eine Ende habe ich erlebt. Und es wird nie wieder etwas vergleichbares geben.... überzeugt euch selbst.... und ihr werdet Türen den Rest eures Lebens mit anderen Augen sehen...


Sage meinen Dank, hört mich wohl an, Sai!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen